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| 06.04.2011 |
| News | |
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Der Wettergott meinte es gut mit dem RTC Kirchlengern.
Kurz vor unserer diesjährigen Saisoneröffnung gab es noch ein heftiges Regenschauer, aber dann blieb es trocken.
Nachdem wir uns an der Gesamtschule in Kirchlengern getroffen haben, ging es munter zum zweiten Treffpunkt, das Bad in Löhne.
Wie Jürgen schon geschrieben hatte; ging es, mal links, mal rechts aber immer dem Ziel entgegen. Es sollte das Alte Fährhaus an der Weser sein. Leider fuhr die Alte Amanda noch nicht, sodass wir die Autobahnbrücke zur Überquerung der Weser nutzen mussten. Nach einem Zwischenstopp am großen Weserbogen und einem leckeren Eis für die Kinder, ging es zurück zum Fährhaus, wo ein schmackhaftes Mittagsmahl für uns bestellt war.
Gegen 15 Uhr haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Es war ein schöner Tag, leider sind wir auf dem Rückweg noch richtig nass geworden.
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| geschrieben von Peter |
| 12.01.2011 |
| News | |
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Die Don Quijotes von Mallorca
Über den Winter ist es schon schwer, für uns Radsportler einigermaßen in Form zu bleiben.
Die einen versuchen es im Fitnessstudio, die anderen joggen und andere fahren auf der Rolle im Wohnzimmer und in ihren Gedanken sind sie die nächsten Tour de France-Gewinner. Und viele tun einfach nichts. Die rasieren sich noch nicht einmal die Beine ;-). Aber dafür essen und trinken sie dann mehr. Die Feiern werden ausschweifender und die Hüften haben 5 kg mehr drauf.
Und Ende März, wenn die Saison langsam wieder los geht, sind die Radklamotten halt noch etwas enger, die Beine etwas schwerer und die Lungen etwas kleiner, die Strecken noch kürzer und die Berge sind alle etwas steiler geworden.
Und um dieses zu verhindern, flog man früher zu einer Art Traininglager nach Mallorca. Damit man den Winterspeck abstrampelt und sich schon am Anfang der Saison in einer hervorragenden Form befindet. Natürlich auch, um die Daheimgebliebenen zu belächeln die naturgemäß ihrer Hochform hinterherlaufen.
In den letzten Jahren hat sich das aber ein wenig geändert.
Heute fährt man schon in Topform nach Malle. Da trainiert man vorher jeden Tag mindestens vier Stunden auf der Rolle (natürlich eine mit Bildschirm, auf denen die Strecken von Mallorca laufen). An den Feiertagen wird nur Salat gegessen und Wasser getrunken. Silvester höchstens ein Schlückchen alkoholfreien Sekt zum Anstoßen. Und sonst nur noch Nudeln, rocken mit vielleicht ein paar Krümeln Parmesan.
Ja, heute fährt man nach Malle in Topform (das ist ungefähr so, wie sich für einen Sprachkurs anzumelden und vorher bei einem Privatlehrer die Sprache schon lernen; damit man dann im Kurs gut dasteht! Nur blöd, wenn man die falsche Sprache gelernt hat :-))
Und da sind sie, die Don Quijoten des Velosports, ein jeder eine Augenweide. Wie sie drahtig in ihren neuen strahlenden bunten Radler-Rüstungen (Weihnachtsgeschenk) stolz auf ihren Sätteln sitzen. So manch einer hat sich zu Weihnachten einen neues "Rosinante" gegönnt. Vielleicht ein Schnäppchen für nur 3.000 Euro, weil zur neuen Saison ein Nachfolgemodell rauskommt. Ein anderer hat für 5.000 Euro schon das neue modernisierte Modell (die Baudenzüge sind jetzt alle aus Zahnseide, dadurch ist das Rad um 0.02 Gramm leichter) gekauft. Ein Gewichtsvorteil, der allemal 2.000 Euro wert ist, da sind sich alle Experten einig. Und jeder Experte will daran verdienen ;-).
Natürlich kann man sich auf Mallorca auch Rennräder leihen, aber wer macht das denn?
Das geht nun gar nicht, da wird zu Hause das "Baby" mit viel Liebe in extra zugeschnittene Koffer verpackt und mitgenommen. Und noch auf den Flughafen von Malle wird das "BABY" ausgepackt und wieder zusammengebaut., weil das Flughafenpersonal natürlich GANZ besonders aufgepasst hat mit den Koffern. Jeder erfahrener Malleradler hat mindestens einen Koffer voller Ersatzteile und Werkzeug dabei.
Wieder zusammengeschraubt kommt es nun in einen 5 qm großen feuchten Keller vom Hotel. Mit noch ca. 35 anderen "BABYs" .
Es soll schon vorgekommen sein, dass bei diesem Anblick so manch einer sein Velo mit auf das Zimmer genommen hat, Natürlich unter Protesten seiner Ehefrau, die sich dann später im Keller wiederfand. Ein Grund, warum die Scheidungsrate im März/April am höchsten sein soll. Mehr oder weniger ;-)
Da rollt die Streitkraft in Gruppen über den Asphalt von Mallorca. Die spanische Herbstsonne ist um einiges fleißiger als die hiesige. Jeder ein Ritter, die Rüstung eng anliegend, der Helm fest auf dem Haupt, und hinter dem verspiegelten Veseir ein entschlosser Blick. Die silbene Lanze (Luftpumpe) immer griffbereit am Rahmen befestigt oder in der Trikottasche. So geht es auf zum ersten großen Kampf gegen die Windmühlen (Anstiege). Ein Kampf, der gewonnen wird und sich wiederholt bis zum Abend.
Erschöpft vom ersten Tag treffen sich die Ehrgeizigen stolzen "Dons" abends bei "Fredo, Miguel, Jose" und wie sie alle heißen, um ihren Triumph mit ein paar Krügen Bier oder Wein zu feiern. Das schweift dann so aus, dass am nächsten Morgen erstmal an Radfahren nicht zu denken ist. Nachdem man halt ausgeschlafen hat, geht man dann gleich wieder in eine Taverne, um nochmal nachzufeiern. Das ist auch nicht tragisch, denn in jeden guten Trainingsplan gehört auch ein Ruhetag. Nur dieser streckt sich dann gerne mal zu einer Woche aus - oder auch mehr! :-)
Ein Tag vor der Rückreise fährt man noch eine kleine gemeinsame Abschiedsrunde, und dann geht es auch schon zurück in die Heimat. Mit 5 kg mehr, nicht im Gepäck, auf den Hüften :-)!
Und so starten wir dann doch alle unter gleichen Bedingungen in die neue Saison.
Na ja, einen kleinen Unterschied gibt es nun doch:
Die Daheimgebliebenen wissen, dass sie nicht in Form sind und steigern sich von Wochenende zu Wochenende bis sie dann irgendwann ihren Jahreshöhepunkt erreicht haben.
Die Don Quijoten glauben, sie wären bereits in Topform und merken gar nicht, dass sie ihren Jahreshöhepunkt schon gehabt haben.
Ich wünsche allen noch eine herrliche Restsaison, kommt gut durch den Winter, und vielleicht sieht man sich ja dann im März.......auf Malle...... OLÉ
Gruß ANDREW |
| geschrieben von Andrew |
| 20.11.2010 |
| News | |
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Wir waren Letzter!
RTF in Stuckenbrock, wir sitzen gemeinsam in der Halle bei ausgelassener Stimmung.
Es ist geschafft, die Saison 2010 ist zu Ende. Bei Bier, Sekt, Kaffee, Kuchen und Würstchen wird über die hinter uns liegende Saison und andere Anekdoten geplaudert und gelacht. Amüsiert lausche ich den älteren Veteranen und fange an, über die Saison nachzudenken. Und so manches Highlight fällt mir ein.
Bei der ersten Radtour mit Martina, sie auf einem Muttirad, fuhren wir dann gleich eine 70er Runde. Da sagte ich ihr auch das erste Mal, dass man mit einem Rad schneller als 20 km/h fahren kann. Die letzten 10 km war sie dann sehr still, das war die ruhigste halbe Stunde unserer Beziehung, das wusste ich damals nur noch nicht ;-) )
Bis sie dann auf einmal aufschrie „ DEICHMANN!" Ich bin fast vom Sattel gefallen vor Schreck. Da ist sie kurz vor dem Exitus und plötzlich sieht sie ein Schuhgeschäft und lebt wieder.
Später, wenn sie mal einen Berg nicht raufkam, habe ich ihr dann immer gesagt, dass oben ein Schuhgeschäft ist mit einem Lagerverkauf.
Sehr bald legte sie sich ein Rennrad zu und machte eine grandiose Entwicklung und wurde sehr schnell zu einer Berühmtheit bei RTF Kontrollen.
Die meisten steigen ab und stellen das Rad ab. Martina fiel fast immer mit einem lauten Aufschrei hin. Sie kam einfach nicht aus den Pedalen.
Mal gut, dass sie sich nie ernsthaft verletzte. Es wurden schon Überlegungen getätigt, Matratzen mitzunehmen. Auch wenn ich zur Kontrolle vorgefahren bin, um sie aufzufangen, klappte das nicht wirklich.
Na ja, irgendwann stellte sich heraus, dass sie das falsche System für ihre Pedalen hatte. Das kommt dabei heraus, wenn eine Düsseldorferin was von einem Kölner kauft.
Wenn das mal keine böse Absicht war ;-)
Gerne denke in an Pfingsten in Bimbach zurück.
Am ersten Tag fuhren wir gemeinsam die 150er Runde. Wohl gemerkt, zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihr Rad gerade mal vier Wochen.
Dass bei Supersonnenschein ein Dorfbrunnen als Erholungsbecken herhalten musste, versteht sich.
Am 2.Tag fuhr ich dann die 150er mit meinen Singlespeed.
Ich weiß noch, wie einer neben mir fuhr und erstaunt auf mein Rad ohne Schaltung schaute. "Sag mal, hast du gar keine Schaltung?"
„Nee“, antwortete ich, „die habe ich dahinten verloren. Brauche ich auch nicht, diese ganze Schalterei ist doch nur Stress!“
Der Typ sah sich doch tatsächlich um. Als er mich dann aber schmunzeln sah, hat er es dann auch kapiert.
An diesem Tag bekam ich so manch einen anerkennenden Schulterklopfer, aber auch einige mitleidige Blicke.
Aber es war `ne geile Sache, Und ich denke, das werde ich im nächsten Jahr noch mal machen. Nur dann den Marathon :-) Upps, das habe ich jetzt nicht gesagt.
Oder auch an die RTF in Melle dachte ich, als ich mit 2 richtigen Spezies mitgefahren bin. Das war kein fahren sondern schon fliegen. Ich war im obersten Bereich, als ich dann 5 km vor dem Ziel meine Beine hochnahm. Im Ziel warteten die Zwei schon und der eine sagte: " War doch ne schöne lockere Runde", und grinste mich blöde an. " Na ja,“, hörte ich meine Stimme, „nur schade dass ich kurz vor Schluss einen Platten hatte, wäre doch gerne mit euch zusammen reingekommen."
Das Einzige was platt war, waren meine Lungen! ;-)
Aua, die RTF in GT, als ich nach der Fahrt am Auto stand und dabei war, meine Schuhe auszuziehen. Da lernte ich was fürs Leben. Immer mit dem Po zum Auto. Mein Arsch zeigte in die andere Richtung und wurde doch prompt von meiner lieben Vereinskameradin als Radständer benutzt. Irgendwie schaffte es die Gute nicht mehr abzubremsen. Dank meiner guten Radhose blieben schlimmere Verletzungen aus. Nur Tage später hatte ich immer noch das Gefühl, Reifengummi in meinem Stuhlgang zu haben. Kein Wunder, dass immer gesagt wird, dass Radfahren impotent macht. ;-)
In Steinhagen fuhr zum ersten Mal meine Nachbarin eine RTF. 120 km waren aber dann doch ein bisschen viel. Ich hatte auch echt ein schlechtes Gewissen, als die Gute mit Schnappatmung am Straßenrand stand. Aber sie machte die Erfahrung, dass wir Radsportler doch eigentlich ganz soziale Menschen sind und niemanden zurücklassen, wenn man mal einen schlechten Tag hat.
Und nun sitze ich hier und muss wieder lachen über irgendeine Anekdote, die von unserem Ersten abgeben wurde.
Oh ja, unser Präsident.
Er war ja mit seiner Holden auf Heimaturlaub in Wales. Und hat sichtbar die dortige Wirtschaft angekurbelt. Trotzdem war es ein günstiger Urlaub, denn jedes Pfund, das er ausgegeben hat, hat er wieder mitgebracht, ;-)
Als er sich heute Morgen auf sein Simplon Velo setzte, stöhnte dieses nur auf
" Ich bin doch kein Tandem!" ;-)))
Die Runden wurden so langsam lichter in Stuckenbrock, Man verabschiedete sich mit einem „Frohes Weihnachtsfest“ und „Guten Rutsch.“ und „Wir sehen uns dann im März wieder.“ Nur wir vom RTC Kirchlengern feierten noch als die Bänke und Tische um uns herum abgeräumt wurden. Tja, man kann ja über uns so manches sagen. Wir sind bestimmt nicht der größte Verein, auch nicht der berühmteste. Wir drängeln uns bestimmt nicht vor, wenn es ans Bergfahren geht, aber in der SAISON 2010, hat der RTC bis zum Schluss seinen Mann und seine Frau gestanden.
Und als wir dann endlich als Letzte den Saal verließen, drehte ich mich noch mal um und sah zum ersten Mal den Besenwagen hinter mir.
Okay, es war dann doch eher eine Besentante, die anfing den Saal zu fegen. ;-)
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| geschrieben von Andrew |
| 01.11.2010 |
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Die grüne Hölle in der Eifel |
Die Herren des Ringes
Was für ein Anblick, ca. 3.500 Rennradsportler auf der Start- und ZielGeraden des berühmt berüchtigten Nürburgrings. Eine Atmosphäre die ihres Gleichen sucht.
Völlig fasziniert stehe ich mit meinem Rennrad mittendrin. Ja, ich habe auf die vielen gut gemeinten Ratschläge gehört und mein Singlespeed zu Hause gelassen.
Ich werde dieses 24 h Rennen mit meinem alten Schlachtross bestreiten, immerhin hat es mich treu über die Alpen gebracht letztes Jahr. Der Nürburgring ist eine Herausforderung, die ich dann doch lieber mit 20 Gängen bestreiten möchte. Langsam macht sich eine kleine Nervosität in mir breit. Ich schau mich so um und mustere meine Mitstreiter. Jeder wartet so auf seine Art auf den Startschuss. Die einen flachsen herum, winken in den unzähligen Zuschauern. Andere fummeln noch am Rad herum Helm herum und wieder andere sind völlig in sich gekehrt und hoch konzentriert.
Unterschiedlich sind die Ziele des Einzelnen, die Einen fahren im Viererteam und hoffen, dass sie nicht die Schwächsten im Glied sind :-). Die Anderen stellen sich so weit wie möglich nach vorn, weil sie mit ihrem Team um den Sieg fahren wollen. Dann sind da noch die Kurzdistanz-Fahrer, die starten ganz vorne, weil die von Anfang an top speed geben müssen. Na ja, und dann halt wir (die, die einfach versuchen wollen, so viele Runden und so lange wie möglich zu fahren. Hinter uns starten dann MTB Fahrer.
Und so unterschiedlich wie die Ziele sind auch die Trainingseinheiten. Einige trainieren seit Monaten wie verrückt nur für dieses Event heute und sind froh ds Trainieren endlich ein Ende hat. Ich unterhalte mich mit so einigen und bekomme langsam ein schlechtes Gewissen, weil ich eigentlich so gut wie nichts getan habe und nicht gerade in Form bin. Aber ich verlasse mich mal wieder auf meinen Dickkopf, irgendwie wird das schon. Hatte ich das nicht auch bei meiner Brocken Tour geglaubt? Aber hier brauche ich doch nur auf der Strecke bleiben, da kann ich mich nun nicht verfahren. Und pro Runde sind doch " nur“ fünfundzwanzig Kilometer. Ich habe mir so als mindest Ziel zehn Runden gesetzt. Die müssen ja wohl locker zu machen sein, sind doch bloß 250 Kilometer. Das ist ja lächerlich in 24 Stunden. Habe eigentlich fünfzehn Runden im Kopf und hoffe auf zwanzig Runden. Das eine Runde 500 Höhenmeter hat, hat mich bei meiner Rechnung gar nicht interessiert.
Meine Beine stellten mir dann später eine andere Rechnung auf, mit den 500 Höhenmetern, aber dazu später!
Wer zum ersten Mal auf dem Ring ist und nicht weiß, was kommt, sollte seine Ziele etwas bescheidener angehen. Aber sind ja nur fünfundzwanzig Kilometer pro Runde......wann lerne ich es nur, einfach meine Klappe zu halten???? Ich arbeite daran ;-) .....mehr oder weniger!
Es ist Samstag, der 21. August, einer der schönsten Tage des Jahres 2010. Kurz nach 13 Uhr und die Sonne scheint auf unsere bunten Helme und leuchten in den vielen verspiegelten Sonnenbrillen, als der Startschuss fehlt. Ganz gemächlich rollen wir los im Getümmel. Klicken in unsere Pedale und versuchen natürlich niemanden anzurempeln. Soweit ich es mitbekomme, stürzt niemand. Bei den Gedränge ein Wunder.
Wir fahren erst über den GP Kurs, direkt an der Strecke sind die Fahrerlager aufgebaut, ein fantastischer Anblick, der mich schon am Freitag fasziniert hat. Auch wir haben unser Camp an der Strecke aufgeschlagen. Als ich Freitag Abend durch das Fahrerlager gefahren bin, habe ich diese einzigartige Stimmung förmlich in mich eingesogen. Bin mit einigen ins Gespräch gekommen und war so begeistert, dass mir da schon klar war, hier komme ich nächstes Jahr wieder hin. Dann abends die Pastaparty, es war einfach ein einmaliges Erlebnis, und das schon vor den eigentlichen Ereignis.
Vom GP Kurs ging es dann zur großen Nordschleife oder halt die GRÜNE HÖLLE. Ich rollte gut mit und fühlte mich stark. Sagte mir immer wieder, dass ich mich nicht mitreißen lassen sollte. Aber es lief so gut und ich konnte nicht widerstehen und speedete voll mit. Irgendjemand in meinen Hinterkopf sagte zwar immer: "LANGSAMER. du hast noch 24 Stunden vor dir!" Ich weiß, aber bloß eine Runde, und dann fahre ich ganz locker weiter. Tja, der Ring, ist im Grunde genommen ganz einfach, die ersten 10 Kilometer geht es fast nur bergab, das verleitet natürlich.
Okay, ich sag es mal so: Das ist eine abgesperrte Rennstrecke, breite Fahrbahn, kein Gegenverkehr, und es geht bergab und das bei schönsten Sonnenschein. Ja, verdammt noch mal, wenn man da nicht Fullspeed fährt, wann dann ???? Wir also mit Fullspeed die ersten Kilometer über den Ring. Der absolute Wahnsinn, der Gegenwind pfiff sein Lied durch meinen Ohrring ich und vergaß alles um mich herum, ich war im Ringfieber. Wie wir alle,....ALLE...nicht ganz, genau genommen nur die, die Kurzstrecke fahren, oder nach einer Runde abgelöst wurden und dann erst wieder in ca. drei Stunden dran sind. Oder halt die DOOFEN. Also ich und noch so ein paar Möchtegernracer. Ich rechnete mir schon aus, dass, wenn ich so weiterfahre locker auf über 24 Runden komme. Nee, ist klar!
Zur Verteidigung möchte doch anmerken, es war gut 35 Grad und die Sonne schien schon sehr stark auf meine doch wohl überhitzten Hirnzellen. Ich war in einer sehr guten Gruppe von ca. zwanzig Fahrern und das Zusammenspiel klappte als würden wir schon seit Jahren gemeinsam fahren. Das war Radsport von Feinsten, wenn mal eine Gerade kam, fuhren wir im ständigen Wechsel, so dass jeder einzelne nur für Sekunden im Wind arbeiten musste. Ging es dann bergab, wurde nochmal alles auf die Kurbel gedrückt und um sich dann ganz klein zu machen, damit man keine Angriffsfläche für den Wind bot. Meine Knie waren fast am Oberohr, mit meinen Oberschenkeln hielt ich mich am Sattel fest, mein Po war leicht angehoben, meine Oberarme eng am Körper und mein Kinn berührte fast die Lenkstange. Mein ganzer Körper war angespannt und war eins mit meinen Rad. Wie ein Pfeil schoss ich so durch den Wind über den Asphalt. Ein geiles Gefühl, ich war der Herr des Ringes, aber nein, WIR alle waren die" HERREN DES RINGS!"
Dann kam mal ein kleiner Gegenanstieg und auf in den Wiegetritt ohne runterzuschalten flogen wir förmlich darüber. Irgendwann fuhr ich dabei meinen Topspeed von 97,8 km/h. Ich wollte eigentlich die 100 knacken, aber auch das war mir nicht vergönnt.
Nach gut zehn Kilometern war der Spaß zuende, wir hatten den tiefsten Punkt der Strecke erreicht und ab jetzt ging es nur bergauf. Bis auf kleine Ausnahmen. Um mich herum hörte ich Ketten wie sie rasch die Ritzel wechselten. Einige schalteten so hastig, dass die Kette gar nicht mehr wusste, wo sie jetzt hinsollte und erstmal absprang. So standen dann die ersten am Streckenrand und legten ihre Kette wieder auf. Ein Anblick den ich noch oft zu sehen bekomme sollte.
Aber noch war ich voll im Saft und brauchte nur langsam runterschalten. Wir kämpften uns hinauf, im Wiegetritt weiter Richtung Hohe Acht. Nur, wann kam diese nur? Immer wenn ich dachte, das war sie jetzt, wurde ich eines Besseren belehrt, und es wurde noch steiler.
Unsere Gruppe wurde immer etwas kleiner, und so langsam dachte ich auch schon darüber nach, abreißen zu lassen. Es ging wieder eine lange Steigung bergauf und oben am Ende war eine Linkskurve. Ich schaute hinauf und sah ein riesiges Banner von Opel, das genau um diese Kurve ging. Ein Bild, was ich mir einprägte. Es war eine Steilkurve, die, die sich auskannten unten durch eine art Rinne fuhren. So spart man sich den Anstieg der Kurve, die, so wie ich zum ersten Mal dabei sind, oben rum fuhren. Auch das kostet Körner und macht man nur einmal. Nach der Kurve kommt dann der Anstieg zu Hohen Acht. Und die hat noch mal richtig Prozente. Vielen stiegen ab und schoben ihre Räder. Na ja, jeder wie er kann! Es sollte nicht mehr lange dauern dann........nee dazu später.......;-)
Oben auf der Hohen Acht war dann eine Verpflegungsstation aufgebaut, natürlich nur für die Weicheier, Typen wie ich fahren natürlich daran vorbei....noch! Nach der Hohen Acht wird das Profil harmloser. Und mit hohem Tempo fuhren wir durch die Schikanen und dann ging es auf der langen Gerade Richtung Motodrom. Und hier muss man aufpasssen, denn diese geht stätig bergauf, dann noch Gegenwind, das kostet Kraft. Mich hat jemand vorher genau darüber informiert und hielt mich in der Gruppe ziemlich weit hinten. So konnte ich Körner sparen, die braucht man dann auch, wenn es dann nochmal ansteigt bevor es dann auf der Start- und Ziel-Geraden geht. Von den 20 Fahrern unsere Gruppe waren nur sechs übergeblieben. Und die fiel jetzt auch auseinander, weil die Fahrer wechselten. Ich war alleine und überlegte kurz anzuhalten, als ich an unserem Camp vorbeizog. Aber ich fühlte mich gut und ich hatte gerade so einen guten Schwung drauf.
Und jetzt ging es ja auch wieder Bergab. Und ich wollte jetzt unbedingt die 100 km/h knacken. Die 2. Runde verlief ähnlich wie die 1. weil sich eine Gruppe bildete. Der kleine Unterschied war nur, dass die sich erst in ihrer 1. Runde befanden und noch frisch waren. Aber das macht mir natürlich nichts aus. Ich möchte mal wissen, was das für eine Droge war, die ich morgens im Kaffee hatte!
Hohe Acht wurde auch diesmal außer Acht gelassen und auf der langen Geraden das gleiche Spiel wie in der ersten Runde. Und ich Blödmannsgehilfe merkte immer noch nichts. Auch, dass alle paar Minuten die Sirenen vom Notarzt zu hören waren, brachte mich nicht zum Nachdenken. Der Notdienst hatte gut zu tun, aber nicht wegen der Stürze sondern wegen der Hitze, die haute so einige um.
Und ohne Pause ging es dann in die 3. Runde. Bergab raste ich wieder wie ein Berserker, denn ich wollte ja unbedingt die 100 km/h. Und kam noch nicht einmal mehr über 90. Auch fielen mir die Gegenanstiege immer schwerer. Aber ich machte mir immer noch keine Gedanken.......Schwubiduuuu.....alles ist gut....nur nicht immer für jeden ;-)
Den tiefsten Punkt der Strecke hatte ich hinter mir und jetzt ging es wieder rauf. Ich war wieder aus dem Sattel und schaltete langsam runter. Und schaltet und schaltete und....nichts mehr...Keine Gänge mehr......und ich bin noch nicht auf der Hohen Acht... jetzt ging der Kampf los. Aber wie kämpfen, wenn man keine Körner mehr hat??? Das kann doch nicht sein, dachte ich, das sind noch keine 70 km, das kann nur eine Phase sein, das ist gleich vorbei.
Der Anstieg zum Opelbanner war schon eine Qual, aber dann zur Acht. Ich war kurz vor dem Absteigen.... Ich sagte mir immer wieder, dass oben eine Verpflegungsstation ist.
Und war jetzt auf einmal der Meinung, dass sich die Leute so viel Mühe gemacht haben, extra eine Station aufzubauen, dass es doch sehr unhöflich wäre, diese zu ignorieren. Und da ich ja von Natur aus ein höflicher Mensch bin, habe ich diese doch dann dankbar angesteuert.
Nachdem ich mich dann einmal so richtig durchgefuttert habe, bin ich dann weiter.
Wieder einmal war ich an unseren Camp vorbei gefahren, ohne anzuhalten, es ging ja auch wieder bergab :-).
In die 4. Runde ging es nun. Diese Runde sollte länger, steiler, höher, heißer werden, und ich immer kleiner! Bei dem Gegenanstieg musste ich mich schon hochquälen, was soll das dann erst bei der Hohen Acht werden? Meine Beine machten langsam schlapp, ich bekam Kopfschmerzen und irgendwie fing jetzt alles an, weh zu tun. Die Brille drückte, meine Halskette wog gefühlte 20 kg, ich riss sie einfach ab und steckte sie in meiner Trikottasche. Bauchschmerzen kamen auch. Ich dachte, gleich liege ich auf dem Asphalt. An einer Wassertonne, die extra für uns aufgestellt wurde, hielt ich an, füllte meine Trinkflasche, wobei ich mir Zeit lies und fuhr langsam weiter. Am Opelbanner vorbei und dann zur Hohen Acht........ich wünschte ich könnte jetzt schreiben, dass ich bis oben hin fuhr mich gestärkt und erholt habe und dann mit einen Affenzahn weiter gefahren bin......kann ich aber nicht, ich konnte nicht mehr. Mein Dickkopf schmerzte nur noch und mir war schlecht. Ich stieg ab und gesellte mich zu ein paar anderen, die sich auf dem Rasen ausruhten. Wir fluchten alle gemeinsam über diesen blöden Radsport und wieso man sich das nur antut. Dann schauten wir uns an, lachten und schoben unsere Babys rauf zu dieser blöden Hohen Acht. Dort setzten wir uns auf eine der Sitzgruppen genossen die Sonne. Als ich weiterfuhr, ging es mir immer noch nicht gut, aber bis zum Camp würde ich es schon schaffen.
Als ich dort war, wurde es mir dann richtig schlecht, ich glaube ich war kurz vor einem Sonnenstich. Ich legte mich im Schatten und dachte darüber nach, aufzugeben.
Aber ich erholte mich wieder und setzte mich wieder auf das Rad, um dann mal in meine 5. Runde zu starten. Mit einer völlig neuen Taktik und einem neuen Ziel. Das Ziel war einfach, es hieß ÜBERLEBEN. Die Taktik war LANGSAM! Wieder einmal wurde ich in meinen Zielen bescheiden....sehr bescheiden. ;-) Die erste Runde fuhr ich mit einem fast 30er Schnitt, diese Runde ging mein Schnitt auf 22, und das störte mich auch nicht weiter. Was mir aber auffiel, die Strecke war jetzt schon sehr leer. Es fing an zu dämmern und viele machte jetzt wohl ihre Pausen.
Bevor ich zur meiner 6. Runde startete, rief ich Martina an und als sie mich fragte, ob ich denn jetzt fertig wäre, reagierte ich doch leicht gereizt: Ob sie überhaupt wisse, was wir hier eigentlich mache? Hier wird doch nicht geschlafen!
Nach der 6. Runde die ich dann im Dunkel gefahren bin, schrieb ich ihr eine SMS, dass ich mich doch schlafen lege. Na ja, man darf ja noch seine Meinung ändern :-)
Die 6.Runde, wieder wünschte ich mir ich könnte schreiben, dass mir die Dunkelheit nichts ausmachte und der Lichtkegel meiner Leuchte einer Sternenschuppe am Himmel glich.
Die Wahrheit ist: Es war Stress pur, Hasen liefen über die Fahrbahn, in einer Kurve wäre ich fast über Frösche gefahren, mit gut 60 weiß ich nicht, was passiert wäre. Nee, das war alles nichts für mich. Und ich konnte mich auch nicht motivieren.
Aber wie lieblich doch so ein Kompressor klingen kann, wurde mir bewusst als ich mich wieder einmal an der Hohen Acht hochquälte. Bei der Verpflegungstation war nämlich ein Kompressor. Und da ich im Dunkel nicht sehen konnte, wann ich endlich oben sein würde, klang des Kompressor wie eine Arie gesungen von Paul Potts. Denn dann wusste ich, gleich habe ich es geschafft.
Wie gesagt, nach der 6.hatte ich endgültig genug. Ich legte mich hin, beschloss erst im Morgengrauen weiterzufahren. Das leise Rauschen der vorbeifahrenden Räder begleiteten mich im Schlaf.
Im Sonnenaufgang war ich wieder auf der Strecke und es ging mir endlich gut, na klar, hatte ich doch gut geschlafen. Meiner Tatik blieb ich aber weiterhin treu, ich hatte schon gelernt. Außerdem war für mich die Aktion sowieso eigentlich schon abgeschlossen. Mein Minimal Ziel von zehn Runden wollte ich noch schaffen. Aber dabei lies ich mir Zeit. Ich fing an, die Landschaft und die herrliche Morgenluft zu genießen. Und so langsam fühlte sich auch die Strecke wieder. Sie wurde jetzt auch freigegeben für alle.
Familien fuhren mit ihren kleinen Kinder "spazieren" Und als wir uns mal wieder zur Hohen Acht hochdrückten, kam ein Pärchen mit E-Bikes daher und grinste auch noch blöd. Okay, das war ja gar nicht so schlimm, aber als die olle Zippe auch noch lauthals posaunte: "Wir müssen auch trampeln, so ist das ja nicht!", war die GUTE kurz davor Geteert und geferdert zu werden. Ich habe in meinen ganzen Leben noch nie jemanden einen Platten gewünscht, aber jetzt kam ich doch in Versuchung!
Die 10. und letzte Rund ging dann auch vorbei. Mein Minimalziel erreicht und einen Haufen fauler Ausreden parat gelegt, aber die Wahrheit ist: Ich habe das 24-Stunden-Rennen "Rad am Ring" total unterschätzt. Das wird mir nächstes Jahr nicht nochmal passieren, hoffe ich ;-)
Der Vollständigkeit halber noch meine Wertung: 218 Platz der Einzelwertung. Und wir campten neben einem Mann, der 20 Runden gefahren ist, und der war 68 Jahre alt! Das war für mich der Herr des Rings. |
| geschrieben von Andrew |
| 12.08.2010 |
| News | |
Ein Mann, ein Gang, ein Brocken, zwei Ziele |
Seit Wochen denke ich darüber nach, zum Brocken zu fahren. Habe aber niemanden gefunden, der mitkommt. Mit Übernachtung und so. Ich fand also keinen, der Zeit oder Lust hatte, mit mir ein Wochenende durch den Harz zu radeln.
Irgendwann sagte ich mir dann halt, okay, dann mache ich es eben alleine, nur eben ein bisschen verschärfter: Von Kirchlengern zum Brocken, Fotos machen, und dann wieder zurück. Hin und zurück ca. 400 km.
Mit Minimal-Gepäck, das heißt, nur das, was ich anhabe plus ein paar Armlinge für die nächtliche Rückfahrt, Beleuchtung, Flickzeug, Fotoapparat, zwei Flaschen und mein kleiner Rucksack mit einer 2-Liter-Trinkblase, Handy, ein paar Riegel, Harzlandkarte und Geld. Sonst nichts. Habe mir ausgerechnet, dass ich zwischen 17 Uhr und 19 Uhr auf dem Brocken bin. Kurzen Aufenthalt und dann schnell wieder zurück. Möchte gerne bei Tageslicht aus dem Harz wieder raus sein. Und um ca. 3 oder 4 Uhr zu Hause sein. Das war mein Plan. Ach so, natürlich nicht mit meinem Rennrad, das kann ja jeder, nee, das mache mit meinem Singlespeed. Das ist einfach ein Rad ohne Schaltung, oder anders gesagt nur mit einem Gang.
Na, jetzt werden wieder einige sagen, wie kommt man nur auf so einen Blödsinn. Ich weiß, es doch auch nicht. Da kommt mir halt so eine Idee, und die lässt mich nicht mehr los.
Es haben mich auch einige gewarnt, dass das nicht zu schaffen ist. Maximal.300 Kilometer aber nie 400 Kilometer. Na, das sehen wir dann, dachte ich mir und hatte schon wieder meinen "Jetzt-ERST-RECHT-Dickschädel"
Es ist Freitag, der 30.07.2010
Die Wettervorhersage war gut, nicht zu warm und auch nicht zu kalt.
Der Wind blies leicht von vorne und das fand ich gut so. Denn dann hätte ich heute Abend Rückenwind......Oder auch nicht ;-)
Die Wolkendecke war sehr dicht, doch zwischendurch versuchte Klärchen durchzuscheinen. Denn wie immer konnte ich mich auf sie verlassen, wenn ich irgendwelche Aktionen vorhabe. Klärchen lässt mich nicht in Stich.
Also über die ersten 100 Kilometer brauche ich nicht viel zu schreiben. Alles war noch wie vor zwei Jahren. Durch Hameln Richtung Bodenwerder, und dann Richtung Seesen.
Es lief alles recht gut, meine Beine machten ihren Job. Ich war um einiges schneller als damals.
Als ich dann eine lange Steigung fuhr, bemerkte ich, dass mein Rad irgendwie nicht mehr so leicht läuft. Bildete ich mir das nur ein, oder wurden meine Bein schwach???
Ich hielt an und überprüfte mein Hinterlaufrad und stellte fest, dass es nicht mehr richtig lief. Was war das denn jetzt??? Ich wusste es nicht und beschloss das Rad zu drehen auf Fixie. Das bedeutet, dass ich keinen Freilauf mehr hatte, also immer schön treten. Das kann nicht gutgehen, sagte ich mir, das schaffst du nie durch die Berge. Außerdem lief das Hinterrad trotzdem nicht besser. Ich wieder gewechselt und ganz kurz darüber nachgedacht, abzubrechen.
Aber wer glaubt das denn, wenn ich erzähle, dass ich abbrechen musste, weil mein Hinterrad nicht richtig läuft? Niemand!
Bergauf hatte ich immer das Gefühl, es hätte sich jemand an mich rangehängt, bergab rollte ich bestimmt 10 km/h langsamer als normal – und so erreichte ich halt den Harz, aber das sollte noch schlimmer kommen!
So richtig rennradfreundlich ist der Harz eigentlich nicht, entweder wird man auf eine Bundesstraße geführt oder gleich auf die Autobahn. Wanderwege sind eigentlich nicht so gut......eigentlich....
Ich geriet irgendwann mal wieder auf eine Bundesstraße, das hatte ich doch schon vor zwei Jahren, doch diesmal war es mir doch zu heikel. Die LKW sausten mit einem Affenzahn an mir vorbei. Und das ohne Randstreifen, das Hupen fand ich auch nicht gerade stressfrei.
Mit meinem Rad auf der Schulter kletterte ich über die Leitplanken sprang über den Graben (gut, dass mein Rad so leicht ist, hat ja auch keine Schaltung :-) ) und fuhr auf einem Feldweg weiter - und stand dann irgendwann irgendwo im Wald :-). Ich schob, fuhr und trug mein Rad bis ich dann mal wieder eine Straße fand. Wusste ich doch, dass mal eine Straße kommen musste. Nur, wo war ich???
Nach einer gewissen Zeit fand ich dann auch Schilder. Kurz vor Seesen fuhr ich Richtung Bad Grund, das war mir noch gut in Erinnerung, ein schönes Dörfchen. Und das war es natürlich immer noch. Mittlerweile war es 16 Uhr durch, ich fragte einen Einheimischen, wie man am besten Richtung Brocken fährt. Er erzählte mir nichts Neues, weiter nach Clausthal- Zellerfeld. Aber dort sollte ich noch mal fragen.
Für ihn war es unglaublich, als er hörte, wo ich herkomme und wo ich hin will. Und dann auch noch zurück.... Wenn ich es bis 21 Uhr schaffe, wieder in Bad Grund zu sein, gibt er mir ein Bier aus. War zwar nett, aber nach einem gemütlichen Bier war mir gar nicht!
Langsam hörte der Spaß auf, denn es wurde immer steiler und die Anstiege länger. Und mein Rad lief einfach nicht rund. Aber auch Clausthal wurde geknackt und es lief doch noch alles recht gut.....noch....
Der Ureinwohner, mit dem ich dort sprach, meinte es besonders gut zu mir......dachte ich...... Er zeigte mir auf meiner Karte eine Abkürzung zum Brocken. Und ich war natürlich für jeden geschenkten Kilometer dankbar. Nur manchmal ist geschenkt noch zu teuer. Es ging nicht nach Braunlage, dann Schierke und auf zum Brocken, nein, er schickte mich Richtung Torfhaus und da geht ein Weg direkt zum Brocken. Das sah auf der Karte richtig gut aus. Auf der Karte.....ich habe den Weg auch gefunden.......und durfte mein Rad erstmal wieder tragen...Das war ein verdammter Wanderweg, wo ich noch nicht mal mit einem Mountainbike durchfahren würde. Hat der nicht gesehen, was ich unter meinem Arsch habe ????
Die Wanderer, die mir entgegenkamen, sahen einen Mann in Radlerklamotten mit Helm und Brille und alles was sonst so, der sein Rad schulterte.
"Das ist auch nicht das richtige Rad hierfür", meinte eine sehr nette Frau. „Wieso?“, war meine Antwort, „Es hat mich 190 km getragen, dann kann ich es doch die letzten 10 km tragen. Das nennt man Teamwork!"
Einen Kilometer vor meinem Ziel erreichte ich die asphaltierte Straße zum Brocken. Ich fuhr hinauf und dachte mir ein Eis zu gönnen, wenn ich oben bin.
Um 18:15 Uhr stand ich oben auf dem Brocken und es wurde immer kälter, ohne dass ich ein Eis hatte, denn es war schon alles zu.
Eine Gruppe Jugendlicher traf ich dort die freundlicherweise ein paar Fotos von mir machten. Dann rief ich Martina an, das ich gut angekommen bin und dann ein telefonischer Geburtstagsgruß vom Brocken für eine sehr liebe Bekannte aus dem Radclub.
Der Wind wurde heftiger und kälter, ich machte mich auf den Rückweg. Mein erstes Ziel war erreicht, 201 km hatte ich hinter mir. 201 km musste ich noch!
Die Abfahrt Richtung Schierke war mit einem Straßenrad auch nicht so richtig prickelnd, es war zwar alles asphaltiert, aber mit unheimlichen Schlaglöchern. Da wäre mein neues Mountain-Bike besser geeignet gewesen. Mal schauen, vielleicht mal im Winter :-)))
Mit klappernden Zähnen ( kein Witz ) fuhr ich bergab. Und war heilfroh endlich in Schierke einzutreffen. Ich hoffte, dass ich dort noch einen Supermarkt oder Tanke finden würde, die noch auf hatte. Denn mein Proviant war restlos aufgebraucht. Um 18 45 Uhr erreichte ich einen Supermarkt der um 19 Uhr schließen wollte. Rasch fühlte ich meinen Proviant etwas auf. Es brauchte nur reichen, bis ich aus dem Harz raus bin, denn Richtung Hameln
waren einige Tankstellen, die 24-Stunden-Service hatten. Aber bis dorthin sollte es noch ein langer Weg sein.
Braunlage hatte ich hinter mir und es lief recht gut (mal abgesehen von meinem Hinterrad)
Ich hatte gute Laune und Klärchen war wieder vor mir aber verabschiedete sich langsam. Aber es sah so aus, dass ich noch locker bei Tageslicht aus dem Harz raus komme.
Mir war schon klar, dass über Clausthal-Zellerfeld, Bad Grund und dann Seesen ein Umweg ist, also verließ ich meine geplante Tour und bog ab Richtung Osterode. Entlang des Sösestausee war eine tolle Abfahrt und landschaftlich einmalig schön. Ich fraß die Kilometer und alles sah gut aus. In Osterode fragte ich mich wieder durch Richtung Holzminden oder Hameln. Ich bekam eine gute Wegbeschreibung von einer Frau die als erstes sofort geschnallt hatte, dass ich keine Autobahn bzw. Bundesstrasse benutzen darf.
Als ich Osterode verließ, beschloss ich meine Leuchten anzubringen und mit Licht weiter zu fahren. Und musste es hinnehmen, dass ich die Halterung für mein Rücklicht verloren hatte. Nicht gut, weil meistens ja doch kein Randstreifen vorhanden ist. Ich fummelte mein Rücklicht so an meinen Rucksack, dass man es gut sehen konnte.
Das Unheil nahm sooo langsam seinen Lauf, aber ich merkte noch nichts und fuhr weiter.
Die Sicht wurde immer schlechter und es wurde auch immer kälter. Die Schilder konnte ich kaum noch erkennen mit meiner Funzel. Aber ich war guten Mutes und fuhr recht ordentlich mit ca. 30 km/h, als ich plötzlich ohne Vorwarnung richtig einen durch die Knochen bekam und ich fast aus den Sattel flog. "Schei...,Schlaglöcher und ich seh` die kaum.“
Auf den Asphalt konzentriert fuhr ich weiter und übersah dabei wohl ein paar Schilder.
Es war inzwischen stockduster, und jedes Dorf sah gleich aus mit Namen die ich noch nie gehört habe. Wo war ich? Bin ich noch richtig? Ich darf nicht zu weit südlich fahren, sonst komme ich noch irgendwo vor Kassel raus. Solche Fragen und Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die Kälte zog Energie aus meinen Körper, meine Beine waren auch nicht mehr stark. Steigungen wurden zur Qual, weil ich auch nicht sehen konnte wie lang diese waren. Und die Ungewissheit, ob ich noch richtig bin, trug auch ihren teil dazu bei, dass ich langsam eine Erschöpfung in mir spürte. Wo war ich nur?
Zwei Stunden irrte ich so rum bis ich dann meinen endgültigen Hammer bekam. Ich war an einer Kreuzung angelangt wo ich schon vor zwei Stunden gewesen war. Ich war im Kreis gefahren...ich konnte das gar nicht glauben...aber es war so.... Punkt! Verzweiflung wollte sich breit machen, aber das ließ ich nicht zu. Ich wollte ja nicht als Gegenstück zum Ötzi enden. So in 100 Jahren finden die mein Skelett umarmt mit Fixie und nennen mich dann Harzi.
Das war mit Abstand meine größte Sorge, mehr oder weniger ;-)
Okay, dachte ich mir, du holst jetzt aus dem Geldautomaten Kohle und chekst irgendwo ein. Dann war es eben nicht zu schaffen. Na ja, das Problem war nur, die Banken schließen alles ab.....alles dicht...keine Chance irgendwie an Geld zu kommen. Und wenn ich auch welches bekommen hätte, es war nichts mehr auf. Kein Gästehaus, Kneipe oder ähnliches. Ich fuhr von Dorf zu Dorf, aber überall das gleiche Spiel. Mittlerweile war es mir schon bitterkalt. Noch nicht mal eine Bullerrei. Ich wäre glatt reingegangen und hätte den Beamten meinen neuen Helm vor den Kopf geschmissen, Hauptsache er sperrt mich in einer warmen Zelle ein.
Oh Mann, wo bin ich bloß? Das gibt es doch gar nicht! Wieder kam ich durch ein Dorf und da sah ich es, ganz einsam in einer Seitenstraße: Ein Licht von einer Kneipe. Ich hin und rein.
Es war eine Vereinskneipe vom dortigen Fußballclub. Ein paar Spieler standen und saßen um die Theke und waren schon gut gefüllt . Und am meisten der dahinter.
Nun stand ich da, mitten in der Kneipe, durchfroren mit Trikot und Radlerhose, Armlinge und Helm. Als sie mich bemerkten, schauten sie mich an, als wäre ich ET. Und es wurde schlagartig ruhig". "Ich bräuchte mal Hilfe“, und erschrak über mein Stimme die völlig fertig klang, aber es war definitiv meine. "Haste `nen Platten?", fragten gleich mehrere.
Ich fragte den Wirt, ob er Zimmer vermietet. Der verstand gar nichts mehr, aber hatte ca 10 Übersetzter um sich, die verstand er besser, was mir ein Rätsel war. Nein, hatte er nicht.
Ob er mir ein Großraum Taxi rufen könnte? Wieder verstand er nichts aber die zehn eifrigen Übersetzter erklärten ihn das schon.
Nachdem er telefoniert hatte, sagte einer ich, sollte mich erstmal setzten und gab mir eine Cola aus. Er ist früher auch immer Rad gefahren und wollte wissen, wo ich herkam. Ich erzählte von meiner Tour, ungläubige Gesichter schauten mich an. Und irgendwie wollte mir jeder ein Bier ausgeben. Aber ich wollte eigentlich erstmal nur wissen, wo ich bin, aber noch mehr ein warmes Bett. Die Jungs nannten mir irgendwelche Ortsnamen.
Und dann kam der Taxifahrer herein, und dieser sollte mein persönlicher Held dieses Abends werden.
Alle waren sich einig, dass um diese Uhrzeit (kurz vor Mitternacht) in diesem Dorf nichts zu machen wäre. Nachdem ich hinten im Bulli mit meinem Rad Platz genommen hatte und noch einer der Einheimischen mit fuhr, ging es ins nächste größere Dorf. Dort stieg mein Mitfahrer aus und bezahlte bis dahin. Ich sagte dem Fahrer, dass wir erst Geld besorgen müssten, keine Chance sagte er nur. Die Innenstadt sei vollständig gesperrt, er fuhr zu einem Hotel etwas außerhalb: geschlossen. Die Optionen gingen langsam aus. Er rechnete ab und ich musste ihm 10 Euro bezahlen, die hatte ich noch.
Dann setzte er sich an seine Funke und rief seine Kollegen an und legte alle anderen Touren die er noch hatte auf seinen Kollegen. Vertröstete die, die schon auf ihn wartenden und nahm mich mit zur nächsten Stadt, unterwegs rief er seinen Bekannten an, der hatte ein Hotel, zwar schon geschlossen, aber wir sollten ruhig kommen.
Dort angekommen war mein Zimmer schon vorbereitet, ich verabschiedete mich von meinem Taxifahrer, der mir noch alles Gute für meine Rückfahrt wünschte. Während der ganzen Zeit hat dieser sich nicht einmal aus der Ruhe bringen lassen, im Gegenteil, er war immer besonders freundlich und zuvorkommend. Ein toller Mensch, ich war zu müde aber doch froh so jemanden begegnet zu sein.
Ich konnte das Zimmer mit Karte bezahlen und fiel total erschöpft ins Bett. Aber ich wusste immer noch nicht, wo ich denn überhaupt bin. Das kläre ich morgen früh, dachte ich mir, und schlief um mittlerweile ein Uhr nachts ein.
Samstagmorgen um 8 Uhr ging ich die Hoteltreppe runter zum Frühstück. War frisch geduscht und hatte meine Radklamoten wieder an.Wollte mich nach dem Frühstück neu orientieren und dann weiter.
Da sitze ich so am Tisch bei Brötchen und Kaffee und schaue nach draußen, wo Klärchen schon ziemlich hell scheint, da traue ich meinen Augen nicht. Da steht genau vor meinem Hotel ein Schild: nach Hameln 65 km. Na super, da bin ich ja gar nicht so verkehrt gewesen.
Ich fuhr die 130 km nach Hause mit einem Gefühl versagt zu haben und musste daran denken, was mir jemand erzählt hat, 300 km ist vielleicht möglich, aber nicht 400. Ich habe nach genau 301 km aufgegeben gestern. Und doch war ich froh, dass ich nicht das Schild Richtung Hameln gefunden habe, wer weiß, vielleicht hätte ich es dann doch noch versucht, und das wäre nicht gut gegangen. Das muss ich mir jetzt einfach mal eingestehen. Im Dunkeln zu fahren, wenn man sich nicht auskennt, kann ich niemandem empfehlen.
Ohne Probleme war ich kurz nach 13 Uhr zu Hause, legte mich hin, alle Viere von mir gestreckt, und so fand mich Martina am Abend auch vor. :-)
Das Ganze sollte ja dazu dienen ob ich die 24 Stunden auf dem Nürburgring fahren kann. Es war so etwas wir eine Probe. Man sagt ja, wenn bei der Generalprobe alles schief läuft, dann läuft die Premiere richtig gut. Das sehe ich ja dann am 20.August auf dem Ring. ;-)
Bis denne und alles Gute
ANDREW
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| geschrieben von Andrew |
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